Caput Mortuum und Kobalt Blau sind eine Mischung, die ich überaus für seine granulierenden Effekte und sanfte Grautöne schätze. Meine Freude darüber will ich mit dir teilen, daher willkommen zur kleinen Farbstudie.
Kapitel
- Caput Mortuum - Schöne Farbe mit schauriger Geschichte
- Die Farbstudie
- Die Inspiration
- Die Liebe zur Granulation
- Der Benefit
- Lust auf eigene Farbstudien?
- Fußnoten
Caput Mortuum - Schöne Farbe mit schauriger Geschichte
Caput Mortuum ist ein Pigment mit einer ganz besonderen Geschichte. Der Name ist Latein und bedeutet soviel wie das Haupt des Toten oder Kopf des Toten. Über die Entstehung des Names gibt es Theorien, etwa dass es dem geronnenen Blut abgeschlagener Köpfe ähnelt. Möglicherweise war caput mortuum auch ein Begriff für ein unnützes Nebenprodukt. Denn das Pigment soll im 15. Jahrhundert bei Experimenten der Alchemisten beim Abbrennen von Pyrit entstanden sein.1
Ein rötliches, etwas zum Violett tendierendes, Pulver, ein Eisenoxid.
Bei den meisten Herstellern wird das Pigment PR101 oder PR102 verwendet, in einigen Fällen mit Zusätzen von weiteren schwarzen oder violetten Pigmenten, wie du das in der Aquarelldatenbank sehen kannst.

Zwei Versionen von Caput Mortuum von Lukas und Schmincke, die ich zufällig auf dem Tisch hatte. Rechts ist ein Verlauf zu Kobaltblau zu sehen, der noch feucht ist und die Granulierung beider Pigmente schön zeigt. Links ist eine erste lose Skizze, die ich mit beiden Farben gemalt habe.
Die Farbstudie
Für meine kleine Farbstudie heute nutze ich das Caput Mortuum von Lukas 1982. In meiner Palette ist es eine vielbenutzte Farbe, die ich besonders in der Kombination mit Kobaltblau (PB28) sehr schätze.
Die Mischungen ergeben, mit viel Wasser, einen wunderschönen sanften Grau-Lila-Ton, den ich auch als Hintergrund bei Tierportraits sehr liebe. Zusätzlich granulieren beide Pigmente. Das tun sie bei allen Herstellern. Bei Lukas scheinen die Pigmente etwas gröber zu sein, sodass der granulierende Effekt noch stärker zur Geltung kommt. Dabei helfe ich natürlich etwas nach, indem ich auf rauem Aquarellpapier male.
Zuerst habe ich die Farben also gemischt, um zu sehen, welche Töne ich erhalten kann. Von einem leuchtenden Blau bis zum rostigen Violett-Braun des Caput Mortuum ist dabei alles dabei. Tiefe Blautöne, die an ein granulierendes Indanthronblau2 erinnern, und ein tiefer Grauton, fast Schwarz, ebenso.
Für mich ist es immer hilfreich zu sehen, welche Variationen, Schattierungen und Möglichkeiten ich habe, bevor ich mit einem Bild anfange. Davon lasse ich mich inspirieren.

Mischungen zwischen Caput Mortuum und Kobaltblau mit einer kleinen Landschaft, die zeigt, wie viel Potential in beiden Farben steckt.
Die Inspiration
Bei den Grautönen musste ich an den grauen, verhangenen Februarhimmel denken, den wir gerade alle vor dem Fenster haben. Da die Inspiration für meine Bilder oft aus dem Leben kommt, ist es genau das, was ich gemalt habe.
Kleine Landschaften, um die Mischungen und ihre Möglichkeiten auszutesten. Dabei begann ich leicht mit ganz hellem Auftrag für den Himmel und arbeitete mich zum Vordergrund vor.

Eine weitere einfache Landschaft mit Kobaltblau und Caput Mortuum.
Die Liebe zur Granulation
Schon bei den ersten Lagen zeigte sich die Granulation mehr als deutlich. Mit mehr Wasser konnte ich den Effekt beim Malen noch verstärken. Für mich ist es eine Freude. Ich liebe es zu sehen, wie Pigmente ihre Eigenschaften zeigen und ultimativ dem Bild auch mehr Charakter verleihen.
Deswegen war bei einem Bild noch nicht Schluss. Ich habe den Mix auf Stream weiter erforscht und eine Katze gemalt. Dee Dees graues Fell ist perfekt für diese Farbstudie. Ergänzt habe ich die Farbauswahl mit Grüngold (PY129) für die Augen. Denn die müssen leuchten, nicht wahr?
Auch die zweite Katze der Familie, Dexter, wurde auf diese Weise gemalt. Nun ist das Set komplett.

Dexter und Dee Dee als Set mit leuchtend grünen Augen.
Der Benefit
Natürlich mache ich die Farbstudien nicht nur, weil es mir Freude macht und weil ich sie so mit dir teilen kann. Es ist auch ein wichtiger Moment für mich, mein Material, die Farben und ihr Zusammenspiel besser kennenzulernen.
Besonders, wenn ich Auftragsarbeiten male und so die Tiere anderer auf Papier festhalte, will ich die Entscheidung, welche Farbe ich nutze, welchen Mix, nicht dem Zufall überlassen. Ich weiß, wie ich welchen Effekt bewusst erreiche und fühle mich beim Malen unweigerlich sicherer. Auch wenn die Bilder, die ich hier teile, nicht perfekt und sehr simpel sind. Sie sind wertvoll für mich und bringen mir wissen, das ich auch in Zukunft sicher einsetzen kann.

Der Farbverlauf von vorher, nun getrocknet mit einem weiteren kleinen Sketch.
Lust auf eigene Farbstudien?
Wenn du mitmalen willst, in der Anleitung zur Eule nutze ich Englisch Rot, das ebenfalls aus dem Pigment PR101 gemacht ist. Die Mischungen sind ähnlich und die Farbe granuliert ebenso schön. Wenn du Caput Mortuum oder Englisch Rot hast, kannst du daher sehr ähnliche Ergebnisse erzielen, wie ich bei meinen heutigen Tests. Willst du ebenfalls ein granulierendes Blau aus einem der Standartsets, dann ist Ultramarin (PB29) dein Freund.
Aber du kannst natürlich auch andere Farben wählen und ihre Eigenschaften erforschen und malen, worauf du Lust hast. Nur so lernst du dein Material besser kennen.
Fußnoten
Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Caput_mortuum
Indanthroneblau hat das Pigment PB60 und granuliert nicht. Mit diesem Mix können wir allerdings einen ähnlichen Ton mit wunderschöner Granulation erhalten.